Zwischen Lockdown und Verlagerung ins Netz
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Publikation: 30. Juni 2026, Jonathan Schönholzer
Die Corona-Pandemie hat viele Bereiche des Lebens verändert, auch das Glücksspielverhalten. Während Spielhallen und Casinos schliessen mussten, suchte ein Teil der Spieler neue Wege. Die Krise hat bestehende Trends beschleunigt und neue Dynamiken geschaffen, die die Branche bis heute prägen.
Die Schliessung der Spielstätten als Wendepunkt
Als im Frühjahr 2020 die ersten Lockdowns verhängt wurden, stand die stationäre Glücksspielbranche plötzlich still. Spielhallen, Casinos und Wettbüros blieben für Wochen und teilweise Monate geschlossen. Für viele Gelegenheitsspieler bedeutete dies eine natürliche Pause, sie spielten schlichtweg nicht mehr. Diese Gruppe zeigte, dass Glücksspiel für sie kein zwanghaftes Bedürfnis war, sondern eine Freizeitbeschäftigung unter vielen.
Anders sah es bei Menschen mit problematischem Spielverhalten aus. Für sie waren die geschlossenen Spielstätten nicht automatisch ein Ausstieg, sondern oft der Anlass, nach Alternativen zu suchen. Die Suchtberatungsstellen berichteten, dass einige Betroffene die Schliessung sogar als Entlastung empfanden und sie als Chance für einen Neuanfang nutzten. Die Krise führte hier zu einer bemerkenswerten Zweiteilung: Während die einen das Glücksspiel reduzierten, intensivierten andere ihre Aktivität.
Die Verlagerung ins Internet
Der fehlende Zugang zu physischen Spielstätten führte bei einem Teil der Spieler zu einer verstärkten Nutzung von Online-Angeboten. Die Hemmschwelle ist hier deutlich niedriger: Keine Anfahrt, keine Öffnungszeiten, keine soziale Kontrolle. Das Smartphone oder der Laptop sind stets griffbereit, und die Angebote sind oft nur wenige Klicks entfernt.
Besonders auffällig war die Entwicklung bei den Online-Casinos. Während der Lockdown-Phasen verzeichneten einige Anbieter deutliche Zuwächse, insbesondere bei Spielen wie Poker, die plötzlich an Popularität gewannen. Gleichzeitig wurde vermehrt für illegale Online-Glücksspiele geworben. Beobachter und Suchtfachstellen warnten zudem davor, dass illegale Anbieter die Einsamkeit und Langeweile während der Pandemie gezielt ausnutzten.
Dennoch war das Bild nicht eindeutig. Manche Betreiber berichteten nur von moderaten Zuwächsen im Online-Bereich, die den Verlust an Sportwetten nur teilweise kompensierten. Die einen sahen einen Boom, die anderen eher eine Verschiebung. Fest steht jedoch, dass die Pandemie den Trend zur Digitalisierung im Glücksspiel deutlich beschleunigt hat.
Neue Spieler und neue Risiken
Eine besondere Dynamik entstand durch die Gruppe der Menschen, die vor der Krise wenig oder gar nicht mit Glücksspiel in Berührung gekommen waren. In der ungewohnten Situation von Langeweile und existenziellen Sorgen griffen auch sie aus Neugier oder als Ablenkung zu Online-Angeboten. Die Hoffnung auf einen schnellen Gewinn kann in Krisenzeiten besonders verlockend wirken, denn im Gehirn werden kurzfristig Glückshormone ausgeschüttet, die Ängste und Sorgen für einen Moment verblassen lassen.
Gerade bei diesen neuen Spielern besteht das Risiko, dass aus einem zunächst harmlosen Zeitvertreib ein problematisches Verhalten wird. Die Krise hat gezeigt, dass Glücksspiel auch für Menschen interessant werden kann, die sich vorher nie dafür interessiert haben. Die Suchtberatungsstellen beobachteten einen Anstieg von Online-Glücksspielen als berichtetes Problem, auch wenn valide Zahlen für die gesamte Pandemiezeit schwer zu erheben sind.
Ein nachhaltiger Wandel?
Die Frage, ob die Pandemie das Glücksspielverhalten dauerhaft verändert hat, lässt sich nicht pauschal beantworten. Einige Experten gehen davon aus, dass die Online-Aktivität nach der Krise wieder auf ein niedrigeres Niveau sinken könnte, sobald andere Freizeitangebote wieder verfügbar sind. Andere sehen in der Krise einen Beschleuniger für ohnehin laufende Entwicklungen, die zunehmende Digitalisierung des Glücksspiels war schon vor Corona im Gange.
Was bleibt, ist eine differenziertere Betrachtung des Themas. Die Krise hat gezeigt, dass nicht alle Spieler gleich reagieren und dass die Verfügbarkeit von Angeboten einen grossen Einfluss auf das Konsumverhalten hat. Sie hat aber auch die bestehenden Risiken des Online-Glücksspiels deutlicher gemacht: die fehlende soziale Kontrolle, die ständige Verfügbarkeit und die oft aggressive Werbung. Der Umgang mit diesen Herausforderungen bleibt eine Aufgabe für Politik, Beratungsstellen und die Branche selbst.
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