Freitag, 30. Januar 2026

Jackpot am Spielautomat – warum ein Casino in Chicago die Auszahlung blockiert

Jackpot gewonnen – Auszahlung verweigert: Der Fall Bally’s Chicago wirft auch in der Schweiz Fragen auf

Lesezeit:           4 Min.
Publikation:      30. Januar 2026, Andy Rauch


Ein Spieler gewinnt 1’250 Dollar an einem Spielautomaten. Der Automat zahlt, das Casino blockiert. Grund dafür ist nicht der Gewinn, sondern der Ausweis des Spielers. Ein Fall aus Chicago sorgt für Diskussionen – und ist auch aus Schweizer Sicht bemerkenswert.


Ein Jackpot ist im Casino normalerweise eine Sache von Minuten. Licht, Sirene, Formular, Auszahlung.
In Chicago lief es anders.

Ein Stammgast des Bally’s Casino Chicago gewann kurz vor Weihnachten an einem Spielautomaten 1’250 US-Dollar. Der Gewinn wurde ordnungsgemäss registriert – ausgezahlt wurde er bis heute nicht.

Der Grund dafür ist brisant: nicht ein technischer Fehler, nicht ein Regelverstoss, sondern der Ausweis des Spielers.

Quelle: CBS News Chicago

Ein Spieler, kein Einzelfall

Der Spieler, den CBS News Chicago aus Sicherheitsgründen nur „Nick“ nennt, ist Asylsuchender in den USA. Er besitzt eine staatlich ausgestellte Limited Term Real ID, ein offizielles Ausweisdokument für Personen mit zeitlich befristetem Aufenthaltsstatus.

Nick ist kein Gelegenheitsspieler. Nach eigenen Angaben spielt er seit der Eröffnung bei Bally’s und hat dort bereits elf Jackpots gewonnen – alle wurden problemlos ausbezahlt.
Nur diesmal nicht.

„Ich habe immer denselben Ausweis benutzt“, sagt Nick. „Diesmal wurde mir gesagt, man könne wegen meines Status nicht zahlen.“

Was sagt das Regelwerk?

Ein von CBS befragter Glücksspiel-Experte ordnet den Fall klar ein:
Eine Real ID mit Foto und Sicherheitsmerkmalen sei grundsätzlich ausreichend, um einen Jackpot einzulösen – unabhängig davon, ob es sich um eine reguläre oder eine Limited-Term-Version handelt.

Bemerkenswert: Die Ausstellung einer Limited Term Real ID ist oft aufwendiger und strenger als jene einer normalen Fahrerlaubnis, da zusätzliche Dokumente und behördliche Prüfungen erforderlich sind.

Trotzdem verweigert das Casino die Auszahlung.

Fehlende Transparenz

Auf Nachfrage wollte sich Bally’s nicht zum Einzelfall äussern. Eine konkrete interne Richtlinie, die eine Auszahlung in dieser Situation ausschliesst, wurde nicht vorgelegt.

Der Fall liegt derzeit beim Illinois Gaming Board, eine Entscheidung steht noch aus.

Für den Spieler fühlt sich die Situation diskriminierend an – besonders in einer Stadt und einem Bundesstaat, die sich öffentlich als migrationsfreundlich positionieren.

Warum dieser Fall relevant ist

Der Streit betrifft nicht nur 1’250 Dollar. Er berührt einen zentralen Grundsatz des Glücksspiels:

Wenn ein Gewinn rechtmässig erzielt wurde, darf er nur auf klarer, transparenter Grundlage zurückgehalten werden.

Gerade in Zeiten verschärfter KYC-Regeln, politischer Sensibilität und wachsender Regulierung ist diese Frage auch für Casinos ausserhalb der USA relevant – stationär wie online.

Unklare oder nicht kommunizierte Regeln schaden dem Vertrauen. Und Vertrauen ist eine der wichtigsten Währungen der Branche.

Schweizer Einordnung: Wie wäre ein solcher Fall hier zu beurteilen?

Der Fall aus Chicago wirft unweigerlich die Frage auf, wie eine vergleichbare Situation in der Schweiz gehandhabt würde.

Grundsätzlich gilt im Schweizer Glücksspielrecht: Massgebend ist die eindeutige Identifikation der spielenden Person – nicht deren Nationalität oder Aufenthaltsstatus.
Wenn ein Gewinn korrekt erzielt wurde und die Identität zweifelsfrei festgestellt werden kann, besteht eine Auszahlungspflicht.

Zuständig für die Aufsicht über Schweizer Casinos ist die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK). Sie verlangt von den Casinos klare Prozesse zur Identifikation und Geldwäschereiprävention, nicht jedoch migrationsrechtliche Prüfungen im Rahmen der Gewinnauszahlung.

In der Praxis akzeptieren Schweizer Casinos neben Schweizer Ausweisen auch ausländische Pässe sowie Schweizer Ausländerausweise.
Ein pauschales Zurückhalten eines rechtmässig erzielten Gewinns allein aufgrund eines befristeten Aufenthaltsstatus wäre in der Schweiz rechtlich heikel und dürfte aufsichtsrechtliche Fragen nach sich ziehen.

Einordnung

Casinos erwarten von ihren Gästen, dass sie Regeln akzeptieren.
Gäste erwarten im Gegenzug Verlässlichkeit.

Wenn ein Jackpot offiziell festgestellt wird, die Auszahlung aber ohne nachvollziehbare Begründung blockiert bleibt, entsteht ein Imageschaden – unabhängig davon, wie der Fall juristisch endet.

Originalquelle

Das vollständige CBS-News-Video zum Fall ist hier abrufbar:
https://www.youtube.com/watch?v=Y8egIDJWCN4


Bitte beachten Sie, dass alle Angaben ohne Gewähr sind und Änderungen vorbehalten bleiben. Wir empfehlen, aktuelle Informationen direkt auf den jeweiligen Webseiten einzusehen.

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